Jeanne Lanvin

Jeanne Lanvin

Seit H&M die Lanvin Kollektion herausgebracht hat, ist das Label genau wie Matthew Williamson und Sonia Rykiel auch der breiten Masse (noch) bekannt(er). Ob das dem Ruf des bereits seit über 100 Jahren bestehenden Hauses zuträglich ist, sei dahin gestellt. Es hat mich aber jedenfalls neugierig auf die Wurzeln des Hauses gemacht.

Allein schon der Name Lanvin umschmeichelt die Lippen wie die luxuriösen und fließenden Stoffe für die die Marke bekannt ist. Raffinierte Schnitte und das berühmte Lanvin Blau (fliederfarbenes Blau), das man heute noch auf den Tragetaschen bewundern kann sind wie Balsam für so manches „Freizeit Kleidung“ geschädigtes Auge und natürlich spätestens sobald man das Logo mit der Mutter und ihrem Kind betrachtet, kommt einem die Gründerin des Hauses in den Sinn.

Jeanne Lanvin wurde 1867 in Paris geboren und absolvierte mit 16 Jahren eine Lehre zur Modistin um ihre beiden Geschwister versorgen zu können. Mit 22 eröffnete sie eine Schneiderei in einer 2 Zimmer Wohnung und 1890 bereits ihr eigenes Hutgeschäft. Mit der Mode beginnt sie, weil ihr die Kinderkleidung um die Jahrhundertwende missfiel und ihre ungewöhnlichen Hängerkleidchen, die viel Bewegungsfreiheit erlauben großen Anklang nicht nur bei ihren eigenen Töchtern fand, sondern auch bei den wohlhabenden Käuferinnen ihrer Hüte.

Ab 1909 beginnt sie auch Damenmode zu kreieren. Im gleichen Jahr tritt sie auch dem Chambre Syndicale de la Haute Couture bei und bringt das Mode-Haus Lanvin damit offiziel auf den Markt. Der Aufstieg kommt rasch: Lanvin wird in den 20er Jahren zu DER Adresse für elegante Roben. Berühmte Schauspielerinnen, Hochadel und der Finanzadel gehören zu Lanvins Kunden. Auch Marlene Dietrich zählte zu ihren Freunden und treuesten Kunden. Doch die Kinderkleider und später auch die Jungmädchengarderobe und Brautausstattung bleiben der Fonds des Unternehmens. Der Stil dieser Jugend- Haute-Couture — übrigens der ersten in Paris — blieb immer der gleiche, variierte in Stoffen, Farben und Stickereien und präsentierte das, was in die Mode als sogenanntes „Stilkleid” einging: schmales Oberteil und langer gebauschter Rock war Jeanne Lanvins Erfindung. Die Kollektionen versprühen eine jugendliche Feminität. Ein Stil, der sich auch im Logo mit Mutter und Kind äußert.

Aber das Logo erzählt nicht nur von Lanvins Stil, sondern auch von Jeanne Lanvins Leben: Kinder und Karriere stellten für sie nie einen Wiederspruch dar. Im Gegenteil die Liebe zu ihrer Tochter Marguerite Marie Blanche war die Basis ihrer Kreativität und Grundstein des Unternehmens. „She sewed to dazzle her daughter and dazzled the world“ sagte später Louis de Vilmorine über Jeanne Lanvin. (Louis Vimore war Schriftstellerin und Lanvin Kundin)

Für ihr Markenzeichen die farbenfrohen Stoffe gründet sie 1923 eine eigene Färberei in Nanterre um noch flexibler in der Farbgestaltung zu sein.

Klassiker sind das Lanvin Blau (fliederfarbenes Blau), das sie sich von den Lavendelfeldern in Florence und von einem Fresko Fra Angelicos abschaute und das Polignac-Rosa (ihre Tochter heiratet 1925 den Grafen Jean de Polignac).

Sie reist viel und legt eine „Material-Sammlung“ von verschiedensten Mustern und Motiven aus aller Welt an. Besonders mochte sie chinesische Stickereien und die japanische und persische Kultur. Diese Einflüsse offenbarten sich in eine Fülle an Schleifen, runden Samtmünzen und Seidenstickereien.

Sie umgab sich mit zeitgenössischen Künstlern, Schriftstellern, Musikern, Designern

und jungen Talenten aus den verschiedensten Bereichen. Mit manchen arbeitet sie auch zusammen um z.B. ihre Inneneinrichtungslinie zu kreieren. Für Jeanne Lanvin waren Kunst und Mode eins. Auch ihre Arbeitsweise ist neu und unkonventionell:

Statt selbst zu zeichnen oder zu drapieren instruierte sie Mode-Zeichner, ihre Entwürfe zu Papier zu bringen.

Ihr Atelier im Pariser Modeviertel musste sie ständig erweitern. 1925 beschäftigte das Unternehmen bereits 800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Schließlich kam auch noch die Parfumlinie und 1926 eine Herrenkollektion dazu. Arpège, eine Anlehnung an das Klavierspiel ihrer Tochter und zu deren 30. Geburtstag kreiert, ist der Parfum Klassiker aus dem Hause Lanvin. Jeanne Lavin gab angeblich ihren Parfumeuren nur eine Instruktion „Mode und Budget interssieren mich nicht – ich will Perfektion“. Der Duft, der mehr als 50 Blumen Essenzen enthält, soll Marguerite Marie, Musikliebhaberin und Opernsängerin den Ausruf entlockt haben „Es riecht wie ein Arpeggio“, woher sich schließlich auch der Name ableitet.

Doch es bliebt nicht nur bei Parfums und einer Herrenkollektion: als eines der ersten Haute Couture Häuser hatte Lanvin eine Abteilung für Parfums, für Herren und für sportliche Damen, Pelz sowie Kinderbekleidung. Sogar Heimtextilien und Wohnungseinrichtungen wurden angeboten. Damit war Jeanne eine der ersten Couturiers, die Mode als ein Lifestyle Konzept sahen.

Nach ihrem Tod 1945 kreierten zunächst ihre Töchter für das Haus und danach verschiede Designer, unter ihnen Giorgio Armani.

Der heutige Designer ist Alber Elbaz für die Damenkollektion und Lucas Ossendrijver

für die Herrenkollektion.

Ob man etwas von Jeanne Lanvin’s Vision und Stil in den H&M Stücken finden kann, kann nun jeder selbst entscheiden…

     

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