Is feminism dead?

Collage by Aurelia Seidlhofer

Es ist zwar schon wieder einige Tage her seit dem 8. Frauentag am 8. März, aber ich wollte trotzdem noch ein paar Gedanken zu diesem Feiertag (?) anbringen.

Ich sehe mich als Feministin und sage das auch offen und ohne mich dafür zu schämen. Oft stehe ich damit alleine da. Nur wenige Frauen und Männer bekennen sich öffentlich oder überhaupt dazu, dass dieses Thema wichtig ist. Es scheint ein bisschen so, trotz Emma und Alice Schwarzer und “Frauenparkplätzen” und dem binnen I, als ob Feminismus irgendwie peinlich geworden ist.

Bis heute ist es genauso wenig definiert was es heißt eine Feministin bzw.ein Feminist zu sein wie definiert ist was es heißt ein „richtiger“ Mann bzw. eine „richtige“ Frau zu sein. Nach meinem Verständnis heißt Feminismus, dass man für eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist – nicht mehr und nicht weniger. Kein “Frauen sind besser als Männer”, kein “Frauen sollen die Männer dominieren”, kein “Frauen müssen geschützt, gefördert und vom schädlichen männlichen Einfluss isoliert werden”. Feminismus heißt für mich auch, dass Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist und dass dieses Thema nach wie vor wichtig ist.

Die Frage ist dann natürlich wer eigentlich kein(e) Feminist(in) ist? Es zählt ja eigentlich zu den Menschenrechten, dass jeder gleich und gerecht behandelt wird und dass man sich dafür einsetzt.

Frauen verdienen weniger als Männer (bei gleicher Arbeit!!!!), sie machen seltener Karriere, werden häufiger Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt und erledigen das Gros der unbezahlten Arbeit, also Kinderbetreuung und Alten bzw. Krankenpflege. Viele Probleme betreffen (fast) ausschließlich Frauen: ungewollten Schwangerschaften, ein höheres Risiko sich mit HIV anzustecken und Alleinerziehende Mutter zu sein.

Ganz zu schweigen natürlich von Zwangsehen, die auch hier in Österreich vollzogen werden, Beschneidungen (werden auch in westlichen Länder zu Tausenden durchgeführt) und gezielte Abtreibung von Mädchen in China.

Natürlich gibt es auch spezifisch männlich dominierte Berufssparten, die gefährlich, extrem belastend oder sehr schlecht bezahlt sind: Soldat, Mienenarbeiter, Müllabfuhr, Katastropheneinsätze und auch Arbeiten in Firmen mit toxischen Arbeitsmaterial. Männer haben auch gesundheitlich höhere Risiken für bestimmte Krankheiten.

Aber im Gesamten stehen Männer ökonomisch fast immer besser da als Frauen. Gerade am Arbeitsmarkt hierzulande (Österreich rankt sehr weit hinten was die Anzahl von Frauen in Aufsichtsräten, Führungspositionen in der Wirtschaft anbelangt) werden Frauen noch immer diskriminiert.

Das sind alles Zustände, die man durchaus verändern kann und für die es sich auch lohnen würde sich einzusetzen – könnte man meinen. Man sieht auch Plakate und immer wieder werden Kampagnen gestartet aber oft hat man das Gefühl, dass bei Frauen in meinem Alter irgendwie der Willen oder das Interesse fehlt. Woran liegt das?

Weil der Feminismus teilweise Maßen annimmt die lächerlich und unwichtig wirken, so als gäbe es nichts Wichtigeres zu tun als den Stefan- Zweig- Weg in den Ingeborg- Bachmann -Weg umzubennen oder Frauenabteile im Zug einzurichten und die ewige Diskussion um das binnen I. (Dem Binnen I liegt durchaus die logische Argumentation zugrunde, dass Sprache unterbewusst Diskrimierung fördern kann aber auf den ersten Blick erscheint diese Debatte oft komplett unnötig)? Ist den Frauen die Verantwortung die mit der Unabhängigkeit kommt doch zuviel? Haben Sie Angst, keinen Mann als Feministinnen abzubekommen?

Auch die Männer sind mir manchmal ein Rätsel: wer wünscht sich denn nicht für die Schwester, Ehefrau, Freundin oder Tochter, dass sie fair im Job behandelt wird, dass Kind und Karriere kein Widerspruch ist und sie nicht in Abhängigkeit leben muss? Glauben die Männer wirklich Feministinnen würden sich nicht die Achselhaare rasieren, würden am liebsten völlig ohne Sex leben und wären Männerfressende Monster, die die Männer am liebsten in Haushaltssklaven und Kindermädchen verwandeln würden?

Das größte Missverständnis ist wohl, dass Feminismus GEGEN Männer gerichtet ist. Das war Feminismus vielleicht früher als es galt diese strengen Konventionen zu durchbrechen und die Überzeugung galt Frauen wären maximal halb so intelligent wie Männern und hätten eine rein passive Sexualität (à la Freud). Nun wäre es eigentlich an der Zeit gemeinsam mit den Männer an einer Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft zu arbeiten. Wie sind die neuen Väter? Wie kann man Kinder und Beruf für Frauen erleichtern? Was kann man tun um Alleinerziehenden Müttern (und Vätern) zu helfen? Muss Verhütung weiterhin großteils Frauensache bleiben? Wie kann man gegen die “gläserne Decke”, die Frauen daran hindert in Spitzenpositionen zu kommen, vorgehen?

Die Quote wurde zu diesem Thema vorgeschlagen – und stark kritisiert. Für mich ist auch hier der Standpunkt der Gegner nur schwer nachvollziehbar: Die Quote heißt: wenn ein Mann und eine Frau die GLEICHE Qualifikation hat, muss die Frau genommen werden. Meist wird hier vergessen, dass wir ja auch jetzt schon eine Quote haben: Wenn ein Mann und eine Frau die GLEICHE Qualifikation haben dann wird der Mann genommen (weil er nicht schwanger werden kann). Wahrscheinlich wird auch oft der Mann bevorzugt wenn er eine leicht niedrigere Qualifikation hat, aber auf das will ich hier nicht weiter eingehen. Dazu kommt, dass hier die Rede von 30% Quoten ist; gerecht wäre nach allgemeinem Verständnis 50%, oder? Das mit der “freiwilligen” Quote ist meiner Meinung nach feige. Man hat das bereits versucht, es hat fast keinen Fortschritt gebracht, warum nicht jetzt konsequent sein? Doch die meisten jungen Frauen, die am Start ihrer Karriere stehen, schweigen – da ist der Druck sich gegen die Wirtschaftslobby durchzusetzen natürlich gering.  

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