Feuchtgebiete vs. Schoßgebete

Also, auch wenn allgemein mal wieder sehr viel über Charlotte Roche und ihr neuestes Buch und noch mehr darüber, dass (auch seriöse) Zeitungen darüber so viel schreiben geschimpft wird, muss ich zuerst mal ehrlich sagen, dass mir “Feuchtgebiete” damals recht gut gefallen hat und ich traue mir jetzt eigentlich einen ganz passablen Bücher Geschmack zu. Ich finde auch ehrlich gesagt, dass dieser riesige Aufstand, dass das Buch angeblich so ekelig ist reichlich übetrieben. Sowas können eigentlich nur Leute behaupten, die a) zu wenig Bücher gelesen (die größten Literaturklassiker können in punkto Ekel wunderbar mit Roche mithalten, wenn sie sie nicht sogar übertreffen oder b) leugnen, dass Frauen einen menschlichen Körper haben und keine fettfreie, haarfreie, unpassende Ausdünstungen aller Art- freie Pornophantasie sind. (Ich verstehe schon, wenn man sich das als Mann nicht unbedingt geben muss. Ich will auch nicht im Detail die Körperfunktionen von potentiellen Intimpartnern wissen, aber wenn man sich als Frau vor “Feuchtgebiete” sosehr ekelt….naja ist ein bisschen feige)

Schoßgebete hinkt Feuchtgebiete allerdings ein bisschen hinterher. Beide Bücher sind autobiographisch angehaucht. In Feuchtgebiete hat Roche in Gestalt von Helen die Scheidung ihrer Eltern verarbeitet in Schoßgebete vor allem den schrecklichen Autounfall, in dem ihre 3 Brüder ums Leben kamen und ihre Mutter schwer verletzt wurde.

Elizabeth, Roche’s Hauptfigur, ist verheiratet, hat 1 Kind und ist im Grunde schwer psychisch gestört. 3 Mal die Woche geht sie zu ihrer Therapeutin und versucht dort unter anderem das Trauma, das durch den Tod ihrer 3 Brüder in einem Autounfall verursacht wurde, zu überwinden. Elizabeth’s Kindheits und Familienverhältnisse sind gelinde gesagt – kompliziert. Die Mutter, Feministin mit 5 Kindern von 4 verschiedenen Vätern. Ihr eigenes Kind ist von ihrem Fast-Ehemann (die Hochzeit ist wegen dem Unfall geplatzt), sie lebt aber mit Georg, der viel älter als sie ist, zusammen. Georg hat auch einen Sohn mit einer andern Frau, eine Herausforderung an der Elizabeth fast scheitert. Ein Kind das zwischen Georg und Elizabeth gezeugt wurde am Anfang ihrer Beziehung hat sie auf seinen Druck hin abgetrieben.

In jahrelanger Therapie hat Elizabeth versucht ihre vielen Ängste, besonders ihre Eifersuchts und Verlustängste zu bekämpfen. Sie kompensiert das mit gemeinsamen Bordellbesuchen und gemeinsamen Pornansehen bis hin zum Analverkehr. Ob das so gut funktioniert ist fraglich. Manchmal will sich Elizabeth einfach umbringen aber das geht ja schlecht wegen dem Kind und dem Mann. 

Schoßgebete ist um einiges grausamer und um einiges weniger lustig als Feuchtgebiete. Helen aus Feuchtgebiete war zwar auch psychisch sicher nicht ganz normal aber sie war witzig und sympathisch. Elizabeth hingegen ist unheimlich und die Tatsache, dass man durch die subjektive Perspektive ihren Mann so schlecht einschätzen kann macht einen wahnsinnig. Geht er nett und respektvoll mit ihr um oder ist er nur ein Perversling, der sie ausnutzt? Ist das Ehe Leben wirklich so höllisch?

Wer sich für die Ehe-Sex- Hölle interessiert und es verträgt soll sich’s zu Gemüte führen. Wer mit dem Gedanken spielt Psychotherapeutin zu werden sollte es vielleicht eher lassen. Nie hat mir eine Psychotherapeutin in einem Buch so leid getan. –

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s